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Patientenaktivierung in der Reha: Zeit zwischen Therapien nutzen

Angeleitetes Eigentraining auf Station braucht klare Regeln: Dieser Beitrag beschreibt Formate, Freigabekriterien, Aufsichtsfragen und die Anbindung an die Verlaufsdokumentation in Reha-Einrichtungen und Kliniken.

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Patientin übt selbstständig an einer digitalen Trainingsstation in einem hellen Therapieraum einer Rehaklinik.

Zwischen einzelnen Therapieeinheiten entstehen in Reha-Einrichtungen und Kliniken häufig längere Zeitfenster. Für geeignete Patienten können diese Phasen genutzt werden, um vereinbarte Bewegungs- und Trainingsinhalte selbstständig fortzuführen. Voraussetzung dafür sind jedoch klare Strukturen: Wer darf eigenständig trainieren? Welche Übungen sind geeignet? Welche Sicherheitsregeln gelten? Und wie werden die Trainingsaktivitäten in den weiteren Therapieverlauf eingebunden?

Die Lücken im Tagesablauf zuerst sichtbar machen

Bevor ein neues Angebot entsteht, lohnt sich eine Bestandsaufnahme. Entscheidend ist zunächst, wann überhaupt geeignete Zeitfenster entstehen und wie sie sich in den bestehenden Stations- und Therapieablauf integrieren lassen.

Über einen begrenzten Zeitraum können beispielsweise folgende Punkte erfasst werden:

  • Länge und Lage therapiefreier Zeitfenster unterschiedlicher Patientengruppen
  • Wochentage oder Tageszeiten mit geringerer Therapiedichte
  • Anteil der Patienten, die zwischen den Therapieeinheiten bereits selbstständig aktiv sind
  • verfügbare Räume und Trainingsbereiche
  • Überschneidungen mit pflegerischen, ärztlichen und diagnostischen Terminen
  • personelle Zuständigkeiten und Erreichbarkeit während möglicher Trainingszeiten

Aus dieser Übersicht lässt sich ableiten, zu welchen Zeiten ein ergänzendes Eigentraining organisatorisch überhaupt sinnvoll angeboten werden kann.

Drei mögliche Formate für angeleitetes Eigentraining

Je nach Patientengruppe, räumlichen Voraussetzungen und Betreuungsbedarf kommen unterschiedliche Formate infrage. Sie können einzeln eingesetzt oder miteinander kombiniert werden.

Zimmergebundene Eigenübungsprogramme bieten einen niedrigschwelligen Einstieg. Der Therapeut stellt wenige, klar definierte Übungen zusammen, die der Patient nach vorheriger Einweisung selbstständig durchführen kann. Der Vorteil liegt in der geringen organisatorischen Hürde. Gleichzeitig fehlt während der Durchführung eine unmittelbare Rückmeldung zur Bewegungsausführung.

Eigentraining auf einer definierten Trainingsfläche ermöglicht Patienten, zuvor eingeübte Trainingsinhalte in einem dafür vorgesehenen Bereich durchzuführen. Welche Form der Aufsicht oder Erreichbarkeit erforderlich ist, hängt vom Patienten, vom Trainingsinhalt sowie von den Vorgaben der jeweiligen Einrichtung ab.

Fest eingeplante Selbsttrainingszeiten werden ähnlich wie andere Termine in den Tagesablauf integriert. Dadurch erhält das Training einen festen Platz im Therapieplan und lässt sich besser mit Pflege, Diagnostik und anderen Behandlungen abstimmen.

Welches Format geeignet ist, sollte sich nicht allein nach organisatorischer Verfügbarkeit richten, sondern vor allem nach dem individuellen Unterstützungs- und Sicherheitsbedarf des Patienten.

Freigabekriterien: Wer selbstständig trainieren kann

Eigentraining ist keine pauschale Option für jeden Patienten. Ob ein selbstständiges oder teilselbstständiges Training geeignet ist, sollte individuell durch das behandelnde Team beurteilt werden.

Ein schriftlich festgelegter Kriterienkatalog kann dabei helfen, Entscheidungen nachvollziehbar zu treffen. Relevante Punkte können beispielsweise sein:

  • ausreichende Orientierung und Fähigkeit, vereinbarte Trainings- und Sicherheitsregeln zu verstehen
  • ausreichende körperliche und kognitive Voraussetzungen für die vorgesehenen Übungen
  • definierte Belastungsgrenzen und bekannte relevante medizinische Einschränkungen
  • sicherer Umgang mit gegebenenfalls erforderlichen Hilfsmitteln
  • keine aktuellen Einschränkungen, die gegen die geplante Trainingsform sprechen
  • korrektes Verständnis und sichere Durchführung der Übungen in einer zuvor begleiteten Einheit
  • Fähigkeit, Beschwerden wahrzunehmen und das Training bei Bedarf zu unterbrechen

Auch ein abgestuftes Vorgehen kann sinnvoll sein. Zu Beginn führt der Patient die Übungen unter direkter Anleitung durch. Im nächsten Schritt können bekannte Übungen mit weniger Unterstützung durchgeführt werden. Erst wenn die sichere Durchführung nachvollziehbar gewährleistet ist, kommt ein stärker selbstständig organisiertes Training infrage.

Verändert sich der Gesundheitszustand, muss die Freigabe erneut überprüft werden. Das kann beispielsweise nach einem Infekt, einer Verschlechterung der Beschwerden, einer Medikamentenumstellung oder einem anderen relevanten Ereignis notwendig sein.

Aufsicht, Sicherheit und Zuständigkeiten klar regeln

Bei der Einführung eines Eigentrainingsangebots sollte eindeutig geregelt sein, wer für Organisation, Freigabe und Sicherheit verantwortlich ist. Die Anforderungen können sich je nach Einrichtung, Patientengruppe und Trainingsform unterscheiden und sollten mit der therapeutischen und ärztlichen Leitung sowie den internen Vorgaben abgestimmt werden.

Vor dem Start sollten insbesondere folgende Fragen geklärt sein:

  • Wer ist während der jeweiligen Trainingszeiten zuständig und wie ist diese Person erreichbar?
  • Welche Patienten dürfen das Angebot nutzen und wer erteilt die Freigabe?
  • Welche Sicherheits- und Abbruchkriterien gelten?
  • Welche Notfallwege bestehen im Trainingsbereich?
  • Wie erfolgt die Einweisung in Übungen und gegebenenfalls verwendete Geräte?
  • Wie werden relevante Auffälligkeiten oder Trainingsabbrüche dokumentiert?
  • Wann muss der Patient erneut therapeutisch oder ärztlich beurteilt werden?

Eine kurze und verständliche Verfahrensanweisung kann helfen, diese Punkte im Stationsalltag einheitlich umzusetzen. Entscheidend ist, dass die Regelungen allen beteiligten Mitarbeitern bekannt sind und tatsächlich in die täglichen Abläufe integriert werden.

Patientenaktivierung in der Reha mit digitaler Trainingsunterstützung

Eine Herausforderung beim selbstständigeren Training besteht darin, dass während der Übungsausführung nicht dauerhaft ein Therapeut direkt danebensteht. Digitale Trainingssysteme können bestimmte wiederkehrende Aufgaben wie Übungsvorgabe, Bewegungsfeedback und Trainingsdokumentation unterstützen.

Die Pixformance Station ist ein digitales Trainings- und Therapiegerät mit integriertem Kamerasystem und virtuellem Trainer. Übungen werden auf dem Display vorgemacht, während das System die Bewegungsausführung erfasst und unmittelbar visuelles sowie textliches Feedback gibt.

Trainingspläne können therapeutisch vorgegeben und an die individuellen Ziele des Patienten angepasst werden. Trainingsparameter werden automatisiert dokumentiert und können anschließend über die Online-Plattform eingesehen werden.

Für Reha-Einrichtungen und Kliniken kann eine solche digitale Unterstützung vor allem dort interessant sein, wo geeignete Patienten bereits bekannte Übungen strukturiert wiederholen sollen. Die Entscheidung darüber, ob ein Patient selbstständig trainieren darf, welche Übungen geeignet sind und wann therapeutisch eingegriffen werden muss, bleibt beim behandelnden Team.

Pixformance wurde auch in unterschiedlichen klinischen und wissenschaftlichen Kontexten untersucht. Für die Bewertung solcher Ergebnisse sind jeweils die untersuchte Patientengruppe, das konkrete Studiendesign und der jeweilige Einsatzbereich entscheidend.

Kriterium Digitale Trainingsstation (Pixformance) Übungsblätter Heimübungs-Apps Betreutes Training
Anleitung über virtuellen Trainer und hinterlegten Trainingsplan über Text und Bilder abhängig von der App, häufig über Videos unmittelbar durch den Therapeuten oder Trainer
Feedback während der Ausführung automatisiertes visuelles und textliches Feedback keine unmittelbare Rückmeldung abhängig von der jeweiligen Anwendung individuelle Rückmeldung durch die betreuende Fachkraft
Trainingsdokumentation Trainingsdaten werden automatisiert erfasst abhängig von manueller Dokumentation abhängig von Anwendung und Datenerfassung therapeutische beziehungsweise organisatorische Dokumentation erforderlich
Individuelle Anpassung Trainingsplan kann therapeutisch angepasst werden nur durch Anpassung des Programms abhängig von Anwendung und Betreuung unmittelbar möglich
Manuelle und taktile Unterstützung nicht vorgesehen nicht möglich nicht möglich unmittelbar möglich
Selbstständige Durchführung durch digitale Anleitung und Feedback unterstützt möglich zentraler Bestandteil abhängig vom Betreuungskonzept
Fortführung außerhalb der Einrichtung über ergänzende digitale Angebote möglich möglich häufig zentraler Bestandteil abhängig von einem verfügbaren Anschlussangebot

Die unterschiedlichen Formate erfüllen verschiedene Aufgaben. Bei Patienten, die eine engmaschige therapeutische Einschätzung, manuelle Unterstützung oder kurzfristige Anpassungen an die Tagesform benötigen, bleibt die persönliche Betreuung zentral.

Ein Eigentrainingsangebot sollte deshalb nicht als Ersatz für Therapie verstanden werden. Es kann therapeutische Einheiten ergänzen, indem geeignete Patienten bekannte und freigegebene Trainingsinhalte zwischen den Behandlungen strukturiert wiederholen.

Anbindung an die Verlaufsdokumentation

Eigentraining ist für den weiteren Therapieverlauf vor allem dann hilfreich, wenn relevante Informationen daraus im Team verfügbar sind. Entscheidend ist dabei nicht die größtmögliche Datenmenge, sondern eine kleine Zahl nachvollziehbarer Informationen, die tatsächlich für therapeutische Entscheidungen genutzt werden.

Welche Messwerte dafür grundsätzlich infrage kommen, beschreibt der Beitrag Digitale Bewegungstherapie: Welche Messwerte wirklich tragen.

Für die Einrichtung sollte festgelegt werden:

  • welche Informationen aus dem Eigentraining dokumentiert werden
  • welche Daten in die Patientenakte übernommen werden
  • wer diese Informationen prüft beziehungsweise überträgt
  • zu welchen Zeitpunkten sie im therapeutischen Verlauf berücksichtigt werden
  • welche Auffälligkeiten eine erneute therapeutische Beurteilung auslösen

Je nach Trainingskonzept können beispielsweise Trainingsfrequenz, absolvierte Übungen, Belastungsparameter sowie relevante Beschwerden oder Abbrüche berücksichtigt werden.

Nicht jeder automatisch erfasste Wert muss dabei in die Patientenakte übernommen werden. Wichtig ist vielmehr, dass die ausgewählten Informationen einen klaren Bezug zur therapeutischen Steuerung haben.

Hinweise zur Abgrenzung zwischen notwendiger Behandlungsdokumentation und ergänzenden Trainingsdaten finden Sie im Beitrag Trainingsdokumentation in der Physiotherapie: Was zählt wirklich?.

Umsetzung: Vom Pilotprojekt zum festen Ablauf

Für die Einführung bietet es sich an, zunächst mit einem klar abgegrenzten Bereich oder einer geeigneten Patientengruppe zu beginnen. So können Abläufe erprobt und angepasst werden, bevor das Angebot auf weitere Bereiche ausgeweitet wird.

Ein möglicher Ablauf:

  1. Zeitfenster identifizieren: Prüfen Sie, wann zwischen bestehenden Therapie-, Pflege- und Diagnostikterminen geeignete Trainingszeiten entstehen.
  2. Freigabeprozess definieren: Legen Sie fest, welche Kriterien ein Patient erfüllen muss, wer die Freigabe erteilt und wann sie erneut überprüft wird.
  3. Einweisung standardisieren: Jeder Patient sollte die vorgesehenen Übungen zunächst begleitet kennenlernen. Dazu gehören auch Abbruchkriterien und die geltenden Sicherheitsregeln.
  4. Zuständigkeiten festlegen: Regeln Sie, wer während des Trainings erreichbar ist, wer Auffälligkeiten prüft und wie relevante Ereignisse dokumentiert werden.
  5. Verlauf auswerten: Prüfen Sie nach einer festgelegten Testphase unter anderem Nutzung, Trainingsabbrüche, organisatorische Probleme sowie Rückmeldungen von Patienten und Mitarbeitern.

Für die wirtschaftliche und organisatorische Einordnung von Kapazitäten, Personaleinsatz und digitalen Trainingsangeboten kann ergänzend der Therapie-Effizienz-Report 2026 herangezogen werden.

Fazit: Freie Zeit wird erst durch Struktur zu Trainingszeit

Therapiefreie Zeitfenster allein schaffen noch keine zusätzliche Aktivität. Damit Patienten diese Phasen sinnvoll für Bewegung und Training nutzen können, braucht es klare Freigabekriterien, geeignete Übungen, definierte Zuständigkeiten und eine Verbindung zum weiteren Therapieverlauf.

Digitale Unterstützung kann dabei helfen, bekannte Trainingsinhalte anzuleiten, Rückmeldung zur Bewegungsausführung zu geben und Trainingsdaten nachvollziehbar zu erfassen. Die therapeutische Entscheidung darüber, wer selbstständig trainieren kann und wie das Training angepasst wird, bleibt jedoch beim behandelnden Team.

So wird Eigentraining nicht zu einem losgelösten Zusatzangebot, sondern zu einem strukturierten Bestandteil des Reha-Alltags.

Häufige Fragen

Ab wann dürfen Patientinnen und Patienten in der Reha selbstständig üben?

Das entscheidet das interdisziplinäre Team anhand eines schriftlich hinterlegten Kriterienkatalogs. Üblich sind Orientierung und Merkfähigkeit, eine stabile Kreislaufsituation, ärztlich definierte Belastungsgrenzen, sicherer Transfer sowie mindestens eine begleitete Durchführung der Übungen. Bewährt hat sich ein Stufenmodell von der angeleiteten Einheit über das Üben in Sichtweite bis zum eigenständigen Training im festen Zeitfenster. Jede Freigabe bleibt jederzeit rücknehmbar.

Wie lässt sich Eigentraining auf Station ohne zusätzliches Personal organisieren?

Entscheidend sind feste Zeitfenster, freigegebene Patientengruppen und eine benannte Aufsicht in Rufweite statt dauerhafter Einzelbetreuung. Hilfreich sind Formate, die mehrere Personen gleichzeitig anleiten. Eine digitale Trainingsstation von Pixformance etwa ermöglicht bis zu vier Trainierende gleichzeitig und gibt Korrekturfeedback während der Ausführung, sodass die Fachkraft nicht durchgehend ans Gerät gebunden ist.

Welche Daten aus dem Eigentraining gehören in die Verlaufsdokumentation?

Sinnvoll ist eine kleine Auswahl, die über den gesamten Aufenthalt vergleichbar bleibt: Trainingsfrequenz, durchgeführte Übungen und ein Qualitäts- oder Belastungsindikator. Diese Werte lassen sich in der Visite besprechen. Weitere Detaildaten bleiben im Trainingssystem und werden nur bei konkreten Fragestellungen herangezogen. Wichtig ist eine klare Festlegung, wer die Werte überträgt und in welchem Rhythmus.

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