Gerätegestützte Krankengymnastik organisieren: Fläche und Takt
Wie Praxen ihren Trainingsbereich so planen und takten, dass eine Therapeutin mehrere Patienten parallel sicher begleitet – von der Flächenaufteilung bis zur Übergabe zwischen Schichten.

Bei der gerätegestützten Krankengymnastik müssen Einweisung, Kontrolle und Dokumentation innerhalb eines klar strukturierten Ablaufs organisiert werden. Entscheidend ist deshalb nicht nur, welche Geräte zur Verfügung stehen, sondern auch, wie Fläche, Taktung und Aufgabenverteilung zusammenspielen. Ein gut geplanter Trainingsbereich erleichtert die therapeutische Betreuung und sorgt dafür, dass Abläufe auch bei hoher Auslastung übersichtlich bleiben.
Flächenplanung: Wege, Sichtachsen und Zonen
Bevor über einzelne Geräte gesprochen wird, lohnt sich ein Blick auf den Raum. Entscheidend ist nicht allein die verfügbare Quadratmeterzahl, sondern auch, wie die Fläche geschnitten und organisiert ist.
Für die Übersicht auf der Trainingsfläche spielen vor allem drei Faktoren eine Rolle:
- Sichtachsen: Aktive Trainingsbereiche sollten vom Therapeuten möglichst gut einsehbar sein. Hohe Geräte, Trennwände oder ungünstig platzierte Elemente können den Überblick erschweren.
- Laufwege: Patienten bewegen sich zwischen den Trainingsstationen, während der Therapeut zwischen Anleitung, Kontrolle und Dokumentation wechselt. Die Wege sollten deshalb möglichst übersichtlich bleiben und ausreichend Platz für Patienten mit Gehhilfen oder eingeschränkter Mobilität bieten.
- Zonierung: Eine räumliche Gliederung in Bereiche für Aufwärmen und Mobilisation, Gerätetraining, funktionelles Training sowie Einweisung oder kurze Nachbesprechungen kann den Ablauf strukturieren.
Planen Sie neben der eigentlichen Gerätegrundfläche ausreichend Bewegungs- und Zugangsraum ein. Auch Abstellmöglichkeiten für Rollatoren, Hilfsmittel und persönliche Gegenstände sollten von Beginn an berücksichtigt werden, damit Laufwege frei bleiben.
Wie viele Stationen braucht ein Trainingsbereich?
Die Zahl der nutzbaren Trainingsstationen sollte zum Behandlungskonzept, zur Raumgröße und zur maximal gleichzeitig betreuten Patientenzahl passen. Zusätzliche einfache Übungsbereiche – beispielsweise für funktionelle Übungen oder Mobilisation – können dabei helfen, Wartezeiten zwischen einzelnen Geräten zu vermeiden.
Wichtig ist weniger eine möglichst hohe Zahl an Stationen als eine sinnvolle Anordnung: Der Therapeut sollte jederzeit erkennen können, wo eine direkte Anleitung notwendig ist und welche Übungen bereits sicher und selbstständig durchgeführt werden können.
Stationenlogik und Taktung: Der Ablauf trägt die Betreuung
Ein freier Ablauf, bei dem jeder Patient seinen Trainingsplan in beliebiger Reihenfolge absolviert, kann die Betreuung erschweren. Mehrere neue oder technisch anspruchsvolle Übungen können dadurch gleichzeitig stattfinden und die Aufmerksamkeit des Therapeuten beanspruchen.
Eine Möglichkeit ist deshalb ein versetzter Einstieg. Patienten beginnen nicht alle zur gleichen Zeit mit derselben Trainingsphase, sondern starten zeitlich versetzt. Dadurch lassen sich Einweisung, direkte Kontrolle und bereits bekannte Übungen besser über die Einheit verteilen.
Für die gerätegestützte Krankengymnastik gelten in Deutschland im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung konkrete Vorgaben. Die Leistung ist als parallele Einzelbehandlung mit maximal drei Patienten vorgesehen. Die Regelbehandlungszeit beträgt 60 Minuten je Patient. Anleitung, Aufsicht und Kontrolle erfolgen unmittelbar durch den behandelnden Therapeuten. Die einzelnen Behandlungen müssen dabei nicht zeitgleich beginnen.
Ein möglicher versetzter Ablauf kann beispielsweise so organisiert werden:
| Zeitfenster | Patient A | Patient B | Patient C |
|---|---|---|---|
| 0–15 Min. | Einweisung und Trainingsbeginn | – | – |
| 15–30 Min. | bekannte Übungssequenz | Einweisung und Trainingsbeginn | – |
| 30–45 Min. | weitere Trainingsstationen | bekannte Übungssequenz | Einweisung und Trainingsbeginn |
| 45–60 Min. | Abschlussphase und Kontrolle | weitere Trainingsstationen | bekannte Übungssequenz |
| 60–75 Min. | – | Abschlussphase und Kontrolle | weitere Trainingsstationen |
| 75–90 Min. | – | – | Abschlussphase und Kontrolle |
Die Tabelle ist als organisatorisches Beispiel zu verstehen. Der konkrete Ablauf hängt vom individuellen Behandlungsplan, von der Belastbarkeit des Patienten und von den eingesetzten Geräten ab.
Neue oder technisch anspruchsvollere Übungen sollten möglichst in Zeitfenstern liegen, in denen eine direkte therapeutische Anleitung und Kontrolle sichergestellt ist. Bereits bekannte und sicher ausgeführte Übungen lassen sich anschließend in den weiteren Ablauf integrieren.
Wie sich Taktung und Terminplanung auch außerhalb des Trainingsbereichs strukturieren lassen, beschreibt der Beitrag Wartezeiten in der Physiotherapie reduzieren: Planung statt Tempo.
Einweisung, Übergaben und Sicherheitsroutinen
Parallele Behandlung funktioniert nur, wenn Einweisung, laufende Kontrolle und selbstständig durchgeführte Übungsanteile klar voneinander unterschieden werden. Bei der gerätegestützten Krankengymnastik bleibt die unmittelbare Anleitung, Aufsicht und Kontrolle durch den Therapeuten ein zentraler Bestandteil der Leistung.
Vor Trainingsbeginn sollten deshalb Geräteeinstellungen, Bewegungsumfang, Belastung und relevante Sicherheitskriterien eindeutig festgelegt und dokumentiert werden. So sind die wichtigsten Informationen auch dann verfügbar, wenn ein anderer Therapeut die Behandlung übernimmt.
Für die Übergabe zwischen Therapeuten können drei Informationen besonders hilfreich sein:
- Aktuelle Übungen und Einstellungen: verwendete Geräte, Ausgangspositionen, Widerstände und weitere Belastungsvorgaben.
- Beobachtungen aus der letzten Einheit: Ausführungsqualität, Belastungsempfinden, Beschwerden, Auffälligkeiten oder abgebrochene Übungen.
- Nächster geplanter Schritt: welche Übung, Belastung oder Bewegung in der kommenden Einheit angepasst werden soll.
Auch Sicherheitsroutinen sollten möglichst klar und einfach gestaltet sein. Dazu gehören beispielsweise eine kurze Einschätzung der aktuellen Beschwerdelage und Tagesform vor Trainingsbeginn, definierte Kriterien für Pausen oder Abbruch sowie regelmäßige Kontrollblicke während der Einheit.
Geräteeinstellungen sollten nach der Nutzung entweder dokumentiert oder in eine definierte Ausgangsposition zurückgebracht werden, damit der nächste Patient nicht unbeabsichtigt mit ungeeigneten Einstellungen beginnt.
Welche Beobachtungen für eine nachvollziehbare Verlaufsdokumentation tatsächlich relevant sind, beschreibt der Beitrag Trainingsdokumentation in der Physiotherapie: Was zählt wirklich?.
Digitale Trainingsunterstützung im Trainingsbereich
Digitale Systeme können die gerätegestützte Krankengymnastik und andere Trainingsangebote im Praxisalltag ergänzen, ersetzen jedoch nicht die für KG-Gerät vorgeschriebene therapeutische Anleitung, Aufsicht und Kontrolle.
Die Pixformance Station ist ein digitales Trainings- und Therapiegerät mit integriertem Kamerasystem und virtuellem Trainer. Übungen werden auf dem Display vorgemacht, während die Bewegungsausführung erfasst und unmittelbar durch visuelle sowie textliche Hinweise begleitet wird. Trainingsparameter werden dabei automatisiert dokumentiert und können über die Online-Plattform eingesehen werden.
Für den Trainingsbereich bedeutet das, dass wiederkehrende Bestandteile wie Übungsvorgabe, Bewegungsfeedback und die Erfassung von Trainingsdaten technisch unterstützt werden können. Die Entscheidung darüber, welche Übungen eingesetzt werden, wie die Belastung dosiert wird und wann eine Anpassung notwendig ist, bleibt beim Therapeuten.
Die automatisierte Erfassung von Trainingsdaten kann außerdem den manuellen Dokumentationsaufwand reduzieren. Wie stark sich dadurch Abläufe verändern, hängt jedoch vom jeweiligen Praxiskonzept und von der Einbindung in die bestehende Dokumentation ab.
Pixformance wurde in verschiedenen klinischen und wissenschaftlichen Projekten untersucht. Die Ergebnisse solcher Untersuchungen sollten jeweils im Zusammenhang mit Studiendesign, Zielgruppe und konkretem Einsatzgebiet betrachtet werden.
| Kriterium | Digitale Trainingsunterstützung mit Pixformance | Klassische Kraftgeräte | 1:1-Betreuung durch Therapeuten | Klassisches Gruppentraining |
|---|---|---|---|---|
| Feedback während der Ausführung | automatisiertes visuelles und textliches Feedback | abhängig von therapeutischer Betreuung und Gerät | individuelle Rückmeldung durch den Therapeuten | abhängig von Gruppengröße und Betreuung |
| Übungsanleitung | über virtuellen Trainer und hinterlegten Trainingsplan | durch den Therapeuten beziehungsweise nach Einweisung | unmittelbar durch den Therapeuten | durch den betreuenden Therapeuten oder Trainer |
| Trainingsdokumentation | Trainingsdaten werden automatisiert erfasst | abhängig von Gerät und Praxisprozess | therapeutische Dokumentation erforderlich | abhängig vom jeweiligen Konzept |
| Individuelle Anpassung | Trainingsplan kann therapeutisch angepasst werden | Widerstand und Einstellungen individuell anpassbar | unmittelbar und individuell möglich | innerhalb des Gruppenkonzepts möglich |
| Manuelle und taktile Unterstützung | nicht vorgesehen | durch den Therapeuten möglich | unmittelbar möglich | abhängig vom Betreuungskonzept |
| Einsatzbereich | strukturiertes, digital unterstütztes Bewegungstraining | gerätegestütztes Kraft- und Funktionstraining | Befundung und individuelle therapeutische Betreuung | standardisierte Trainingsangebote |
Die verschiedenen Trainingsformen erfüllen unterschiedliche Aufgaben und können sich im Praxisalltag ergänzen. Bei komplexen Befunden, unklarer Belastungstoleranz oder Situationen, in denen manuelle beziehungsweise taktile Unterstützung erforderlich ist, bleibt die unmittelbare persönliche Betreuung zentral.
Digitale Trainingssysteme können dagegen dort unterstützen, wo definierte Übungen wiederholt durchgeführt, Bewegungen begleitet und Trainingsdaten nachvollziehbar erfasst werden sollen. Sie sollten dabei als Ergänzung des therapeutischen Konzepts verstanden werden und nicht als Ersatz für die Anforderungen der gerätegestützten Krankengymnastik.
Umsetzung in vier Schritten
Wer seinen Trainingsbereich neu strukturieren möchte, kann zunächst mit wenigen organisatorischen Veränderungen beginnen:
- Bestand aufnehmen: Zeichnen Sie den Raum mit Geräten, Laufwegen und Sichtachsen auf. Markieren Sie Bereiche, in denen die Übersicht regelmäßig eingeschränkt ist oder Patienten aufeinander warten müssen.
- Zonen festlegen: Ordnen Sie unterschiedliche Trainingsformen räumlich sinnvoll an und achten Sie darauf, dass Zugänge und Laufwege frei bleiben.
- Taktung definieren: Legen Sie fest, wie Patienten zeitlich versetzt beginnen können und zu welchen Zeitpunkten eine direkte Einweisung oder Kontrolle erforderlich ist. Für KG-Gerät müssen die geltenden Vorgaben zu Behandlungsdauer, Patientenzahl sowie unmittelbarer Anleitung, Aufsicht und Kontrolle berücksichtigt werden.
- Routinen schriftlich festhalten: Geräteeinstellungen, Übergaben, Sicherheitsregeln und relevante Verlaufsinformationen sollten so dokumentiert sein, dass der Ablauf auch bei einem Therapeutenwechsel nachvollziehbar bleibt.
Überprüfen Sie nach einigen Wochen, an welchen Stationen regelmäßig Wartezeiten entstehen, wo direkte therapeutische Unterstützung besonders häufig notwendig ist und an welchen Stellen unnötige Wege entstehen. Diese Beobachtungen liefern konkrete Hinweise darauf, wie sich der Trainingsbereich weiter anpassen lässt.
Welche Messwerte darüber hinaus für die therapeutische Verlaufsbeurteilung sinnvoll sind, beschreibt der Beitrag Digitale Bewegungstherapie: Welche Messwerte wirklich tragen.
Häufige Fragen
Wie viele Patienten kann eine Therapeutin bei gerätegestützter Krankengymnastik parallel betreuen?
Das hängt weniger von der Personenzahl ab als von Raumzuschnitt, Sichtachsen und Ablauf. Entscheidend ist, wie viele Patienten gleichzeitig in der kritischen Anfangsphase einer neuen Übung sind. Mit versetztem Einstieg, dokumentierten Geräteeinstellungen und klaren Sicherheitsroutinen bleibt die Betreuung planbar. Rechtliche und vertragliche Vorgaben zum Betreuungsschlüssel prüfen Sie zusätzlich in Ihrem jeweiligen Zulassungsrahmen.
Was gehört in eine gute Einweisung auf der Trainingsfläche?
Sitz- und Ausgangspositionen, Hubwege, Widerstände, Wiederholungszahlen sowie Abbruchkriterien und die Art, wie Patienten sich melden. Alles sollte schriftlich hinterlegt werden, damit die Einstellungen bei der nächsten Einheit oder bei einer Vertretung nicht neu erklärt werden müssen. Die Einweisung gehört in ein ruhiges Zeitfenster, nicht in das laufende Gruppentraining.
Welchen Vorteil bietet eine digitale Trainingsstation gegenüber klassischen Kraftgeräten?
Klassische Geräte dokumentieren nur Gewicht und Wiederholungen. Die Pixformance Station erfasst über eine Kamera mit Tiefensensor 25 Gelenkpunkte in Echtzeit und gibt während der Ausführung visuelles und textliches Korrekturfeedback. Bis zu vier Trainierende können gleichzeitig arbeiten, die Dokumentation läuft automatisiert. Bei komplexen Befunden bleibt die persönliche 1:1-Begleitung dennoch das genauere Instrument.
Wie viele Stationen sollte ein Trainingsbereich haben?
Sinnvoll ist eine Stationszahl, die etwas über der maximal geplanten Gruppengröße liegt, damit keine Wartezeiten am Gerät entstehen. Bei vier parallel trainierenden Patienten sind fünf bis sechs nutzbare Stationen angenehm. Mindestens eine davon sollte niederschwellig sein – etwa Matte, Stufe oder Theraband – und als Puffer dienen, wenn eine Station länger belegt bleibt.
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