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Fachkräftemangel in der Physiotherapie: Zahlen und Auswege

Der Therapie-Effizienz-Report 2026 zeigt, wie viel Therapeutenzeit in standardisierbaren Aufgaben steckt und wie Praxen Kapazität gewinnen, ohne zusätzliches Personal einzustellen.

Redaktion6 Min. LesezeitLinkedInWhatsApp

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Therapeutin betreut zwei Patienten, die an einer digitalen Trainingsstation in einer hellen Physiotherapiepraxis üben.

Die Nachfrage nach physiotherapeutischen Leistungen ist hoch, gleichzeitig fehlen vielerorts verfügbare Fachkräfte. Der Fachkräftemangel in der Physiotherapie ist damit für viele Praxen längst Teil des Alltags. Wer heute eine Stelle ausschreibt, wartet nicht selten Monate auf eine Besetzung – und muss die Versorgung in dieser Zeit mit dem bestehenden Team organisieren. Der Therapie-Effizienz-Report 2026 stellt aktuelle Marktdaten zusammen und richtet den Blick auf eine weitere Frage: Wo lassen sich innerhalb bestehender Strukturen Kapazitäten besser nutzen?

Fachkräftemangel in der Physiotherapie: Die Zahlen hinter dem Gefühl

Der Report führt aktuelle Marktdaten an einer Stelle zusammen. Sie zeichnen das Bild einer Branche mit erheblichen personellen Engpässen:

  • 85,1 Prozent der offenen Stellen in der Physiotherapie konnten im Jahresdurchschnitt 2025 rechnerisch nicht besetzt werden (Tiedemann et al., 2026, KOFA Kompakt 3/2026).
  • Die Fachkräftelücke betrug in diesem Zeitraum 12.543 Stellen.
  • Dem stehen 50.888 zugelassene Praxen in Deutschland gegenüber (Soldanski & Schlenz, 2025).
  • Die Teilzeitquote in der Branche liegt bei über 50 Prozent (Schneidemesser, 2026).

Diese vier Werte sollten im Zusammenhang betrachtet werden. Die Branche ist überwiegend kleinteilig organisiert: Die Mehrheit der Praxen wird als Einzelunternehmen geführt, Kapitalgesellschaften machen knapp sechs Prozent aus. Eine einzelne Praxis kann personelle Engpässe daher nur begrenzt durch interne Umverteilung auffangen. Kommt eine hohe Teilzeitquote hinzu, reduziert sich die verfügbare Behandlungszeit zusätzlich – unabhängig davon, wie hoch die Nachfrage ist.

Für viele Praxisleitungen wird damit vor allem die verfügbare Therapeutenzeit zum begrenzenden Faktor.

Die unsichtbar gebundene Therapeutenzeit

Einen zentralen Gedanken des Reports bildet eine einfache Beispielrechnung. Eine typische 20-Minuten-Einheit in der Krankengymnastik besteht nicht ausschließlich aus therapeutischer Entscheidungsarbeit. Zeit entfällt beispielsweise auch auf wiederkehrende Tätigkeiten wie Übungen erklären und vorzeigen, Wiederholungen begleiten oder Trainingsdaten dokumentieren.

Der Report rechnet beispielhaft mit fünf Minuten pro Patient. Bei 20 Patienten am Tag summiert sich das auf 100 Minuten pro Therapeut. In einer Praxis mit vier Therapeuten wären damit rechnerisch rund sechs Stunden und 40 Minuten pro Tag mit diesen Tätigkeiten gebunden.

Diese Zeit erscheint in keiner zusätzlichen Personalstelle, sondern verteilt sich in kleinen Einheiten über den gesamten Arbeitstag. Entscheidend ist deshalb die Frage, welche wiederkehrenden Aufgaben therapeutische Expertise erfordern und welche sich sinnvoll technisch unterstützen lassen.

Was digitale Bewegungstherapie im Behandlungsablauf unterstützen kann

Der Ansatz des Reports lautet: Nicht die Therapie selbst soll digitalisiert werden, sondern geeignete, wiederkehrende Bestandteile des Trainingsprozesses. Die Aufgabenverteilung kann beispielsweise so aussehen:

  • Beim Therapeuten bleiben: Befundung, Therapieplanung, manuelle Techniken, komplexe Einzelfälle, interdisziplinäre Abstimmung und die Entscheidung, wann und wie ein Trainingsplan angepasst wird.
  • Das System unterstützt: Übungsanleitung, unmittelbares Feedback während der Ausführung, die Durchführung hinterlegter Trainingspläne und die Dokumentation von Trainingsparametern.

Geeignete Patient:innen können definierte Übungssequenzen weitgehend selbstständig unter therapeutischer Aufsicht durchführen. Dadurch kann der Therapeut bei standardisierbaren Trainingsabschnitten entlastet werden und mehr Zeit für Aufgaben einsetzen, die seine unmittelbare fachliche Betreuung erfordern.

Wie die Pixformance Station diesen Engpass adressiert

Der Report stammt von Pixformance, und das Unternehmen beschreibt darin die eigene Lösung. Die Pixformance Station ist ein freistehendes digitales Trainings- und Therapiegerät mit über 700 funktionellen Übungen und einem virtuellen Trainer. Eine integrierte Kamera erfasst während des Trainings 25 Gelenkpunkte und gibt unmittelbar visuelles und textliches Korrekturfeedback. Trainingsdaten werden dabei automatisiert dokumentiert. Für die Aufstellung nennt der Report rund sechs Quadratmeter; der Einstieg beginnt laut Herstellerangaben bei 220 Euro pro Monat im Leasing, vorbehaltlich externer Genehmigung.

Für die Einordnung lohnt sich ein Blick darauf, wie sich unterschiedliche Trainings- und Betreuungsformen organisatorisch unterscheiden:

Kriterium Pixformance Station Kraftgeräte ohne automatisiertes Feedback 1:1-Betreuung durch Therapeuten Heimübungs-App
Korrektur während der Ausführung automatisiertes visuelles und textliches Feedback abhängig von Gerät und Betreuung individuelle Rückmeldung durch den Therapeuten abhängig von der jeweiligen App
Betreuung Training mit automatisierter Übungsanleitung und Feedback abhängig von Trainingsform und Aufsicht individuelle 1:1-Betreuung meist selbstständige Durchführung
Trainingsdokumentation Trainingsdaten werden automatisiert erfasst abhängig von Gerät und Praxisprozess therapeutische Dokumentation erforderlich abhängig von der App und Datenerfassung
Personaleinsatz während des Trainings abhängig von Patientengruppe und Betreuungskonzept abhängig von Trainingsform und Aufsichtsbedarf direkte Personalbindung während des Termins geringer direkter Betreuungsbedarf möglich
Einsatz als Selbstzahlerangebot als ergänzendes Trainingsangebot möglich möglich möglich abhängig vom Angebots- und Abrechnungsmodell
Flächenbedarf laut Report rund 6 m² je Station abhängig von Anzahl und Art der Geräte Behandlungsraum erforderlich kein zusätzlicher Trainingsraum notwendig
Individuelle Anpassung bei komplexen Befunden innerhalb der hinterlegten Trainingsplanung und therapeutischen Steuerung abhängig von Gerät und Betreuung individuelle Anpassung unmittelbar möglich abhängig von App und Betreuungsmodell
Training außerhalb der Praxis über ergänzende digitale Angebote möglich in der Regel nicht vorgesehen abhängig vom vereinbarten Eigenprogramm häufig zentraler Bestandteil

Die Tabelle zeigt zugleich die unterschiedlichen Einsatzbereiche. Bei komplexen Befunden und Situationen, in denen individuelle Befundung und unmittelbare therapeutische Entscheidungen erforderlich sind, bleibt die persönliche Betreuung zentral. Digitale Bewegungstherapie kann besonders dort unterstützen, wo Trainingsprozesse ausreichend standardisierbar sind und Patient:innen definierte Übungssequenzen zunehmend selbstständig durchführen können.

Rehazentren und Kliniken: Dokumentation als zweiter Hebel

In Physiotherapiepraxen ist Zeit ein zentraler Faktor. In Rehazentren und Kliniken kommt häufig die Anforderung hinzu, Behandlungs- und Trainingsverläufe nachvollziehbar zu dokumentieren. Der Report setzt hier bei den Trainingsdaten an. Bewegungsqualität, Wiederholungen und Trainingsfortschritte werden erfasst und über die Online-Plattform einsehbar gemacht.

Die automatisierte Erfassung von Trainingsdaten kann damit die Verlaufsdokumentation und interne Qualitätssicherung unterstützen. Im Report wird in diesem Zusammenhang auch auf Anforderungen hingewiesen, die beispielsweise im Kontext der Blankoverordnung relevant sein können.

Für die Planung der Fläche nennt der Report konkrete Richtwerte:

  • Mit zwei Stationen lassen sich auf etwa 12 bis 18 Quadratmetern unterschiedliche Trainingskonzepte umsetzen.
  • Ab drei Stationen lassen sich Gruppenkurse als eigenständiges Trainingskonzept aufbauen.

In Kliniken sieht der Report den möglichen Nutzen vor allem in der Integration in bestehende Abläufe. Patient:innen können definierte Trainingseinheiten beispielsweise nach einer manuellen Behandlung oder zwischen zwei Therapieblöcken absolvieren. Standardisierte Trainingsabläufe können zudem die Einarbeitung neuer Mitarbeiter erleichtern und zu einheitlicheren Prozessen im Team beitragen.

Fazit: Therapeutenzeit gezielter einsetzen

Der Fachkräftemangel in der Physiotherapie lässt sich nicht allein durch neue Stellen lösen – vor allem dann nicht, wenn geeignete Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt fehlen. Umso wichtiger wird die Frage, wie die vorhandene Therapeutenzeit eingesetzt wird.

Digitale Bewegungstherapie kann dort unterstützen, wo Trainingsabläufe standardisierbar sind: bei der Übungsanleitung, beim unmittelbaren Feedback während des Trainings und bei der Erfassung von Trainingsdaten. Befundung, Therapieplanung und komplexe therapeutische Entscheidungen bleiben dagegen Aufgabe des Therapeuten.

Der entscheidende Punkt ist deshalb nicht, möglichst viele Prozesse zu digitalisieren. Es geht darum, wiederkehrende Aufgaben dort technisch zu unterstützen, wo es im konkreten Praxisalltag sinnvoll ist. So kann mehr Zeit für die Aufgaben entstehen, bei denen therapeutische Expertise und persönliche Betreuung tatsächlich erforderlich sind.

Wer wissen möchte, welche Herausforderungen die Physiotherapiebranche aktuell prägen und welche Ansätze der Therapie-Effizienz-Report für Praxen, Rehazentren und Kliniken beschreibt, findet die vollständige Analyse hier:

Therapie-Effizienz-Report 2026 (Download)

Häufige Fragen

Ersetzt digitale Bewegungstherapie die Therapeutin oder den Therapeuten?

Nein. Digitale Systeme übernehmen den standardisierbaren Teil einer Einheit: Übungen anleiten, die Ausführung korrigieren und Trainingsdaten dokumentieren. Befundung, Therapieplanung, manuelle Techniken und komplexe Einzelfälle bleiben bei der Fachkraft. Der Gewinn liegt darin, dass die Therapeutin während des angeleiteten Trainings bereits den nächsten Patienten behandeln kann.

Wie viel Therapeutenzeit steckt in standardisierbaren Aufgaben?

Der Therapie-Effizienz-Report 2026 rechnet vorsichtig mit fünf Minuten pro Patient für Anleitung, Korrektur und Dokumentation. Bei 20 Patienten am Tag sind das über 100 Minuten. In einer Praxis mit vier Therapeuten summiert sich das auf fast acht Stunden täglich, rechnerisch also auf eine volle Stelle.

Woher stammen die Marktzahlen im Therapie-Effizienz-Report?

Die Zahlen zum Fachkräftemangel kommen aus dem Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung des Instituts der deutschen Wirtschaft (KOFA Kompakt 3/2026). Die Zahl der zugelassenen Praxen stammt aus der 3. Eckdatenstudie zum Physiotherapiemarkt von ETL ADVISION, die Teilzeitquote aus einer Auswertung des Fachmagazins BODYMEDIA aus dem Jahr 2026.

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